Kinder Bobath

1 Konzept - 10 Gebote?

Das Bobath-Konzept im Wandel der Zeit

Frühkindliche Gehirnschäden, die zu spastischen Lähmungen führen, müssen früh behandelt werden. Cerebrale Schädigungen, bei denen die Intelligenz nicht beeinträchtigt zu sein braucht, können durch Schwangerschafts- oder perinatale Störungen verursacht worden sein. Die ziemlich gleichartigen Folgen sind: das Kind ist wie durch einen unsichtbaren Käfig in bestimmte Bewegungsmuster gezwängt, aus denen es sich alleine nicht mehr befreien kann. Wie ist es möglich, dass ein betroffenes Kind trotzdem Selbständigkeit und eine aktive Teilhabe am täglichen Leben erfahren kann? Die Tür zu dieser Chance öffnet das sich ständig ändernde Gehirn. Neuronale Strukturen sind nicht fest verknüpft, sondern werden mit jedem Lernen und jeder Erfahrung verändert. Je jünger das Kind, desto flexibler ist auch das Gehirn.

Um diese Fähigkeit zur Reorganisation bestmöglich zu nutzen bedienen sich immer mehr Physio- und Ergotherapeuten einer besonderen Therapieform - dem Bobath-Konzept. Basis des vom ungarischen Ehepaar Karel und Berta Bobath entwickelten Konzeptes sind die sogenannten 10 Prinzipien. Wer jetzt an die in Stein gemeißelten 10 Gebote denkt, der irrt. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte haben sich diese Prinzipien stark gewandelt. Sie wurden weiterentwickelt, ergänzt, und manche sogar wieder aus dem Curriculum gestrichen. Unabdingbar aber ist der direkte Bezug zum Patienten, zu seinen Bedürfnissen, seinen Wünschen, seinem Alltag.

Das strukturierte Vorgehen bei der Befundaufnahme und die Orientierung an den Prinzipien, ermöglichen es den Therapeuten, das Kind in seiner Lebenswelt zu begreifen und die Schnittstelle zwischen seinen Fähigkeiten und seinen Schwierigkeiten genau zu benennen. Gemeinsam mit dem Patienten, seinen Eltern, seinen Bezugspersonen und dem Arzt werden konkrete Therapieziele formuliert. Das oberste Ziel ist, dass das Kind lernt, möglichst viele Dinge in seinem Alltag selber zu machen. Vor allem Transfers und Positionswechsel stehen im Focus der Bemühungen um dem Patienten einen größtmöglichen Bewegungsradius zu eröffnen.

Das Besondere am Bobath-Konzept ist, dass es für die Behandlung kein Kochrezept gibt, keine vorgegebenen Regeln, kein „Wenn-Dann“. Für die Therapeuten bedeutet das, dass sie sehr genau beobachten, kreativ, und jederzeit in der Lage sein müssen, ihren Behandlungsplan sogar in der jeweiligen Therapie abzuändern und dem Patienten anzupassen, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Die Behandlung nach dem Bobath-Konzept ist anspruchsvoll und erfordert viel Geduld von allen Beteiligten, ein Umdenken ist erforderlich. Kann das überhaupt funktionieren? Keine starren Regeln, ständiges Infragestellen und ggf. umwerfen der Behandlung und trotzdem erfolgreich? Und ob!

Wer neugierig geworden ist oder wissen möchte, ob diese Form der Therapie auch für ihn in Frage kommt, kann sich unter 040 / 693 60 06 informieren.

Bernadette Weigel
Leitende Physiotherapeutin, Kinder-Bobath Therapeutin


Inh. Gebhard Weigel | Friedrich-Ebert-Damm 160 A | 22047 Hamburg | Tel.: 0 40 / 693 60 06 | Fax: 0 40 / 693 60 30 | info@tz-wandsbek.de